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Internet am Amazonas

Kommunikation und Fortschritt – ein Reisebericht zum Abschluss des dreijährigen LAZ-Projekts im brasilianischen Amazonasgebiet

Projektbesuch des LAZ am Amazonas

Projekttitel: Armutsbekämpfung am Amazonas durch die Einrichtung und Ausstattung von „Telezentren“ in elf Gemeinden im Gebiet der Flüsse Amazonas, Tapajós und Arapiuns, Stadt Santarém, Bundesstaat Pará, Brasilien – Projeto Saúde e Alegria.

Durchgeführt mit Unterstützung aus Mitteln der EU, der Roisdorfer Mineralquellen GmbH und Co. KG, der Marga und Wilfried Huthmacher-Stiftung, aus privaten Spenden in Deutschland und lokalen Mitteln.

Im Rahmen des Projekts „Saúde e Alegria“ hat sich die brasilianische Organisation CEAPS zum Ziel gesetzt, den von Armut geprägten, weit abgelegenen Gemeinden am Knotenpunkt der Flüsse Amazonas, Tapajós und Arapiuns den Zugang zu Informationen und Kommunikation mit der Außenwelt zu ermöglichen. Die Dörfer sind meist nur mit dem Boot zu erreichen und die nächstgrößere Stadt Santarém eine Tagesreise entfernt.

Vor einigen Jahren wurde bereits ein Netz von sechs Gemeinde-Computerzentren mit Internetzugang über Satellit, Stromversorgung über Solaranlagen, Unterrichtsräumen und Funkverbindungen eingerichtet. Im Rahmen des Projekts wurde dieses Netz ausgebaut und gefestigt, wobei fünf weitere Gemeinde-Computerzentren („Telecentros Comunitários“) gebaut und eingerichtet und die bereits Bestehenden weiterentwickelt wurden. Die Telezentren bieten zahlreiche Informations- und Weiterbildungsmöglichkeiten für LehrerInnen, ÄrztInnen, Kleinbauern und -bäuerinnen, ArbeiterInnen im Kleingewerbe sowie für Jugendliche an.

Wie im vorangegangenen Zwischenbericht berichtet, war ich vor rund zwei Jahren schon einmal zu einem Projektbesuch vor Ort. Seit meinem letzten Besuch hat sich in der ruhigen und beschaulichen Stadt Santarém, wo die Organisation CEAPS ihren Sitz hat, nicht viel geändert: löchrige Straßen, wenige kulturelle Angebote. Umso erstaunter war ich, als ich auf der Suche nach einer Bäckerei plötzlich vor einem frisch eingeweihten, sehr modernen Shopping-Center stand. Ich fühlte mich wie in einer großen modernen Stadt Brasiliens. Mir wurde klar: es wird in Brasilien überall investiert... auch in Santarém.

Mit dem Ziel der Anfertigung eines Abschlussberichtes über die Projektdurchführung und des Verwendungsnachweises für die Geldgeber hat das LAZ mich beauftragt, das Projekt „Saúde e Alegria“ im Februar 2011 erneut zu besuchen. Die operative Projektlaufzeit endete am 31.12.2010. Ich hatte Gelegenheit mit den Projektverantwortlichen vor Ort – Caetano Scannavino (Vize-Präsident), Paulo Lima (Projektkoordinator), Fabio Penna (verantwortlich für die Projektkonzeption) und Elaine Pisa (Projekt-Finanzmanagerin) – mehrere Gespräche zu führen.

Sie berichteten mir, dass sechs Telezentren komplett eingerichtet und voll betriebsfähig in den Dörfern Muratuba, Suruacá, Belterra, Maguari, Cachoeira do Aruã und Castanhal zu finden sind. Die Telezentren sind mit Computern und Software ausgestattet und bieten Einführungskurse in Informatik und Internetnutzung, den Gebrauch von frei verfügbarer Software sowie auch zur Radiokommunikation an. Sie sind mit Solaranlagen ausgestattet und haben Funkverbindung für Radiosendungen. Der Zugang zum Internet erfolgt über eine Satellitenverbindung.

Kinderpflege

Die Telezentren sind untereinander vernetzt. Engagierte Gemeindemitglieder kümmern sich um die ordnungsgemäße Verwaltung der Zentren sowie um die Überwachung und Instandhaltung der Geräte vor Ort. Die Menschen können sich darüber hinaus durch die Kommunikation per Radio (www.redemocoronga.org.br) austauschen und Informationen über Kurse und Veranstaltungen im Allgemeinen sowie über Maßnahmen der Gesundheitsversorgung und der Umweltbildung erhalten. Dieser Radiofunk stellt ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel zwischen den Siedlungen im Flussgebiet dar.

Weitere sechs Telezentren in den Gemeinden São Pedro, Piquiatuba, Vila de Boim, Urucureá, Nuquini und Prainha wurden wieder in Betrieb genommen, können aber lediglich Kurse in Informatik und Unterstützung bei den gemeinschaftlichen Radioaktivitäten anbieten, also ohne Internet. Zur großen Freude aller ist in der Zwischenzeit ein Vertrag mit dem brasilianischen Kulturministerium (Ministério da Cultura – MINC) für die Betreuung der vorhandenen und für die Einrichtung von weiteren 10 Telezentren unterzeichnet worden. Diese Unterstützung läuft derzeit in Vila de Boim an. Dort werden Computer bereitgestellt und der Internetzugang über Satellit eingerichtet. Später sind Ausbildungskurse sowie die Vergabe von Stipendien für die jungen Menschen, die die Telezentren in ihren Dörfern betreuen, vorgesehen.

Auch der Projektbereich Gesundheit läuft gut und mit konkreten Aussichten auf eine Erweiterung der Aktivitäten auf andere Flüsse der Amazonasregion. Das Gesundheitsboot „Abaré“ beruht auf einem Pilotprojekt der brasilianischen Regierung zur Sicherstellung der Gesundheitsvorsorge und -versorgung der Bevölkerung im Amazonasgebiet. Das Boot ist jeweils drei Wochen lang mit einem Team von 40 Fachkräften unterwegs. In jeder Siedlung hält es für ca. 6 bis 12 Stunden. Durch den Radiofunk des Projekts können sich die BewohnerInnen der vielen Dörfer über den aktuellen Aufenthalt des Gesundheitsbootes informieren. Mittlerweile kommen viele aus den entfernten Dörfern per eigenen Boot angereist, um sich dort ärztliche und zahnärztliche Hilfe zu holen.

So ein Vorhaben lässt sich jedoch nicht ganz frei von Schwierigkeiten durchführen. Die schweren Witterungsbedingungen und das Klima in der Region, das von Hitze und Feuchtigkeit geprägt ist, reduzieren die Lebensdauer der elektronischen Geräte und verursachen eine Steigerung der Unterhaltskosten der Computerzentren. Dies hat aber zum Glück nie zu einer langen Stagnation der Projektaktivitäten geführt. Für die Instandsetzung der beschädigten Computerzentren und Geräte wurden Mittel der EU-Kommission für Unvorhergesehenes und finanzielle Eigenmittel des lokalen Partners eingesetzt.

Die Überprüfung des finanziellen Teils des Projektes war eine weitere sehr aufwendige Aufgabe. Alle einzelnen Einnahmen- und Ausgabenbelege wurden geprüft und den jeweiligen Projektmaßnahmen zugeordnet. Eine ordnungsgemäße Buchführung konnte festgestellt werden. Die öffentlichen Mittel der EU-Kommission und die privaten Mittel aus dem Verkauf von KICOS Guaraná der Fa. Roisdorfer Mineralquellen GmbH & Co. KG und anderen Spendern wurden antragsgemäß verwendet. Darüber hinaus wurden mit dem Projektpersonal auf der Grundlage der vertraglichen Vereinbarungen mit dem LAZ weitere Einzelheiten, die die Kooperation im Allgemeinen und die Erstellung des Abschlussberichts betreffen, diskutiert.

Eine Gruppe von EU-ParlamentarierInnen hat das Projekt Saúde e Alegria im Februar 2011 besucht. Sie waren tief beeindruckt davon, wie es den Menschen dort gelingt, ihre alltäglichen Schwierigkeiten mit viel Solidarität und Kooperation zu meistern und wie stark sie bemüht sind, den Regenwald zu schützen. Die Gruppe hatte das Computerzentrum im Dorf Suruacá besucht und konnte sich über die verschiedenen Projektmaßnahmen vor Ort informieren, wie u.a. das Gemeinde- und Computerzentrum, die neu eingerichtete Netzverbindung für Handys und eine Wasseraufbereitungsanlage, die die Vermeidung von Krankheiten ermöglicht.

Das Projekt Saúde e Alegria sowie die Telezentren wurden ebenfalls vom Leiter der EU-Delegation in Brasilien und von einer seiner Mitarbeiterinnen während der Projektlaufzeit besucht, so dass sich auch die EU als Hauptgeldgeber vom Erfolg des Projektes mehrfach überzeugen konnte.

Ich bin dem Partner CEAPS/PSA noch einmal sehr dankbar für das herzliche Willkommen, für seine Offenheit und für die wertvolle Unterstützung meiner Arbeit in dieser wunderbaren und eindrucksvollen Region, auf die die ganze Welt schaut, „a Amazônia brasileira“.

Bonn, den 17.03.2011
Maria Christina Bosch-Hoffmann
Lateinamerika-Zentrum e.V., Projektreferentin Brasilien