Das Lateinamerika-Zentrum e.V. fördert mit Unterstützung der Europäischen Union und den Roisdorfer Mineralquellen GmbH & Co. KG Telezentren im Amazonasgebiet.
Projekttitel: Armutsbekämpfung am Amazonas durch die Einrichtung von Telezentren in sechs Siedlungen am Rand der Flüsse Tapajós und Arapiuns, Stadt Santarém, Bundesstaat Pará, Brasilien – Projeto Saúde e Alegria.
Projektpartner: Centro de Estudos Avançados e de Promoção Social - CEAPS
Laufzeit: 1. Januar 2008 bis 31. Dezember 2009
Projektvolumen: € 362.367,00
Im Rahmen des Projekts „Sáude e Alegria“ hat sich die brasilianische Organisation CEAPS (Centro de Estudos Avançados de Promoção Social) zum Ziel gesetzt, den armen und weit abgelegenen Gemeinden am Knotenpunkt der Flüsse Amazonas, Tapajós und Arapiuns, den Zugang zu Informationen und Kommunikation mit der Außenwelt zu ermöglichen.
Vor einigen Jahren wurde bereits ein Netz von sechs Gemeinde-Computerzentren mit Internetzugang über Satellit, Stromversorgung über Solaranlagen, Unterrichtsräumen und Funkverbindungen eingerichtet. Im Rahmen des Projekts soll nun dieses Netz gefestigt werden, wobei 5 weitere Gemeinde-Computerzentren (Telecentros Comunitários) gebaut und eingerichtet werden. Insgesamt 11 Gemeinden soll damit der Zugang zu Information und Kommunikation ermöglicht werden. Die Telezentren bieten darüber hinaus auch zahlreiche Informations- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer, Ärzte, Kleinbauern, Arbeitern im Kleingewerbe sowie für Jugendliche an.
Das Projekt „Saúde e Alegria“ befindet sich in der Stadt Santarém. Diese liegt an der Einmündung des kristallgrünen Tapajós -Flusses, ungefähr in der Mitte zwischen Manaus und der Hafenstadt Belém im Atlantikdelta des Amazonasflusses. Die ca. 280.000 Einwohner von Santarém leben vom Fischfang, der Rinderzucht sowie der Herstellung von Keramikartikeln und Hängematten aus Baumwolle.
Die durch das Projekt direkt begünstigten Menschen leben am Rande dieser Flüsse in großer Armut und Isolation. Es mangelt nicht nur an einer grundlegenden Versorgung, sondern auch an Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsenen. Viele Gemeinden sind nur mit dem Boot zu erreichen und die nächste, größere Stadt Santarém ist für viele Bewohner eine Tagesreise entfernt.
Das LAZ kennt seit etwa 10 Jahren die Arbeit von CEAPS, denn es gab bereits eine gemeinsame Zusammenarbeit im Projekt zur „Capacity Building“ dieser Organisation. Die damalige Unterstützung umfasste die Schaffung von Infrastrukturen im Bereich der Gesundheitsversorgung, im Umweltschutz, in der Kommunikation und der Landwirtschaft. Dadurch wurden die Fähigkeiten der Organisation sehr gestärkt und eine Ausweitung der Aktivitäten von CEAPS in Form dieses Projektes konnte ermöglicht werden.
Aktueller Stand des Projekts (Entsprechend Besuch der LAZ-Mitarbeiterin Maria Christina Bosch-Hoffmann Anfang 2009):
Die bereits in Betrieb genommenen Gemeinde-Computerzentren sind miteinander vernetzt sind und funktionieren gut. Dort wird die Bevölkerung betreut und angeleitet, wie sie mit den Computern und dem Internet umgehen können. Engagierte Gemeindemitglieder kümmern sich um die ordnungsgemäße Verwaltung des „Telecentro Comunitário“ sowie mit der Überwachung und Instandhaltung der Geräte vor Ort. Bisher werden die Computerzentren vor allem von der jungen Bevölkerung rege genutzt und stellen eine große Bereicherung für die Dorfbewohner dar. Mit Hilfe des Betreuers bastelten sie eifrig am PC. Für das Netzwerk „Rede Mocoronga“ („Mocorongos“ nennt man die Menschen , die aus der Stadt Santarém stammen) schreiben sie Beiträge über aktuelle Ereignisse ihrer Siedlungen und bereiten Radiosendungen vor, die in einem Umkreis von 100km jeden Samstagmorgen gehört werden können.
Darüber hinaus können sich die Menschen durch die Kommunikation per Radio (www.redemocoronga.org.br) austauschen und wichtige Informationen über das Leben und die Bevölkerung der jeweiligen Dörfer, über Kurse und Veranstaltungen im allgemeinen sowie über Maßnahmen der Gesundheitsversorgung und der Umweltbildung erhalten. Dieser Radiofunk stellt ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel zwischen den Siedlungen im Flussgebiet dar.
Es konnten nicht alle Maßnahmen, die im ersten Jahr (2008) vorgesehenen waren, durchgeführt werden. Einige Dörfer haben noch keinen Internetzugang erhalten, da auf die Freigabe von finanziellen Mitteln der brasilianischen Regierung im Rahmen des Programms GESAC, Governo Eletrônico Serviço de Atendimento ao Cidadão ( Elektronisches Bürgerserviceprogramm der Regierung), das den Internetzugang in allen Projektgegenden per Satellit gewährleisten soll, noch gewartet wird. Dieses aus dem Jahre 2003 stammende Programm des Ministeriums für Kommunikation, das den lokalen Beitrag zum Projekt darstellt, möchte den aus dem Zugang zum WorldWideWeb ausgeschlossenen armen und abgelegenen Dörfern in Brasilien die Nutzung des Internets und der anderen unzähligen Internetdienste nach und nach ermöglichen. Zum Zeitpunkt meines Besuches war die Zusage zwar bereits erfolgt, allerdings konnten aufgrund anstehender kommunalpolitischer Wahlen in Santarém die finanziellen Mitteln noch nicht freigegeben werden.
Ein anderer wichtiger Bestandteil des Projektes ist der Einsatz des Gesundheitsbootes „Abaré“. Dieses Boot beruht auf einem Pilotprojekt der brasilianischen Regierung zur Sicherstellung der Gesundheitsvorsorge und -versorgung der Bevölkerung am Amazonasgebiet und ist daher sehr gut und zweckdienlich ausgestattet. Es ist drei Wochen lang mit einer Mannschaft bestehend aus 40 Leuten (u. a. Arzt, Zahnarzt, SozialarbeiterInnen, Psychologe) unterwegs. In jeder Siedlung hält es für ca. 6 bis 12 Stunden. Durch den neu eingerichteten Radiofunk des Projekts können sich die Bewohner der vielen Dörfern über den aktuellen Aufenthalt des Gesundheitsbootes informieren. Die Ärzte können dadurch umgehend in Kontakt mit dem nächstgelegenen Krankenhaus treten und die Behandlung von Notfällen schneller einleiten. Mittlerweile kommen viele aus den entfernten Dörfern per eigenem Boot angereist, um sich dort ärztliche und zahnärztliche Hilfe zu holen.
Die strenge Einhaltung des im Projekt vorgesehenen Zeitplanes wird aufgrund mehrerer unvorhersehbarer Faktoren wie z. B. durch die politische Instabilität vor Ort oder die großen Entfernungen zwischen den Siedlungen nicht möglich sein. Der lokale Partner CEAPS wird daher eine Verlängerung der Projektlaufzeit beantragen