Ein kurzer Überblick (Zahlen und Fakten)
Brasilien ist das größte Land Lateinamerikas und umfasst beinahe die Hälfte der Fläche des Kontinents. Die Landschaft unterteilt sich in das Amazonasbecken im Norden und das Hochplateau im Süden und im Zentrum des Landes.
Landwirtschaftlich bedeutend ist vor allem der mittlere Westen des Landes mit seinen ausgedehnten Savannenlandschaften.
Der Regenwald bedeckt ca. 60% der Fläche Brasiliens und erstreckt sich durch das Amazonasbecken. Die meisten Einwohner (rund 70%) leben in den Großstädten der Küstenregion.
Politisch unterteilt sich das Land in 26 Bundesstaaten und den Bundesdistrikt der Hauptstadt Brasília.
Vor der Ankunft der Portugiesen in Brasilien lebten dort ca. 2000 verschiedene, meist halbnomadische Völker, von denen etwa 235 Völker bis heute weiterexistieren. Der Erstkontakt der Europäer in Brasilien fand mit dem Volk der Tupí-Guaraní statt.
Durch den Vertrag von Tordesillas wurde der amerikanische Kontinent 1494 in ein spanisches und ein portugiesisches Gebiet aufgeteilt. Nach der Landnahme wurde Brasilien nicht sofort besiedelt. Ab 1534 nahm die portugiesische Krone riesige Landschenkungen (Donatarias) vor um das Vordringen französischer Expeditionen zu verhindern. Man begann zur Besiedlung des Gebietes Verbrecher ins Exil nach Brasilien zu schicken. Ab dem 17. Jahrhundert bekam die Einwanderung aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation im Mutterland Aufwind. Aber erst mit dem Fund von Gold in Minas Gerais Ende des selben Jahrhunderts wurde die Kolonie für die Bevölkerung Portugals wirklich attraktiv. Portugal reagierte mit strengen Ausreisekontrollen und 1720 schließlich mit einem Ausreiseverbot um die drohende Entvölkerung ganzer Landstriche in Portugal zu stoppen. Da Brasilien jedoch hauptsächlich Männer anlockte wurde zusätzlich ein Verbot an in Brasilien ansässige Familien erlassen ihre jungen Mädchen zur Erziehung nach Portugal zurückzuschicken und dort zu verheiraten.
Ab 1559 begann die systematische Verschleppung von Afrikanern nach Brasilien, welche dort auf Plantagen und in Minen versklavt wurden. In Brasilien bildeten sich viele Quilombos, Gemeinschaften entflohener Sklaven, und von 1635 bis 1694 existierte die República dos Palmares mit über 30.000 entflohenen Sklaven, einmalig in der Geschichte Lateinamerikas.
Erst 1888 schaffte Brasilien als letztes Land in Lateinamerika die Sklaverei ab.
Da das System der Donatarias auf Dauer unzureichend war um die portugiesische Kolonie in Amerika zu verwalten richtete die Krone 1549 den Posten des Generalgouverneurs mit Sitz in Bahía ein und unterteilte das Land zur Verwaltung in Kapitanien. Von 1580 bis 1640 wurde Brasilien von Spanien verwaltet, da Portugal mangels eines eigenen Thronfolgers in dieser Zeit unter spanischer Herrschaft stand. Während dieser Zeit wurde nach spanischem Vorbild ein Indienrat errichtet. Ab 1640 übernahmen Vizekönige die Position der Generalgouverneure.
Auf dem Papier existierten zwar schon ab 1549 diverse Gesetze welche die indigene Bevölkerung vor Versklavung und Ausbeutung schützen sollten, tatsächlich wurden diese jedoch trotz des teils starken Engagements der Kirche und insbesondere der Jesuiten ignoriert.
Von 1808 bis 1821 residierte der portugiesische Hof unter dem Regenten João (später João VI) wegen der napoleonischen Besatzung in Brasilien. Auf die Rückkehr João VI. nach Portugal folgte 1822 die Unabhängigkeit Brasliens: Mit dem Grito de Ipiranga wurde Dom Pedro I., Sohn von Johann VI., Kaiser Brasiliens. Brasilien ist somit das einzige Land Lateinamerikas welches sich friedlich vom Mutterland ablöst und einen europäischen Monarchen zum Staatsoberhaupt macht. Von 1864-70 war Brasilien mit Argentinien und Uruguay am Tripelallianzkrieg gegen Paraguay beteiligt, der die Hälfte der Bevölkerung Paraguays das Leben kostete.
Nach dem Ende des Kaiserreichs 1889 wurde Brasilien zur präsidialen Republik. Von 1930-54 war Getulio Vargas mit Unterbrechung Präsident. Er wurde als wohlwollender Diktator bezeichnet.
Ab 1964 stand Brasilien unter einer Militärdiktatur. Seit 1985 kehrte das Land zur Demokratie zurück und in den 90er Jahren fanden einige wichtige Reformen statt.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Brasiliens ist von gemischter Herkunft und blickt meist auf afrikanische und europäische Ahnen zurück. Fast 200 000 Brasilianer sind indigener Herkunft. Viele indigene Völker leben isoliert im Amazonasgebiet und es gibt Indizien für ca. 50 „unentdeckte“ Stämme ohne Kontakt zur Außenwelt.
Seit 2002 hat die Arbeiterpartei (PT) die konservativen Sozialdemokraten (PSDB) unter Fernando Henrique Cardoso an der Regierung abgelöst. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva beendet 2010 seine zweite Amtszeit und darf danach nicht wieder gewählt werden.
Sein Vorgänger Cardoso hatte eine Währungsreform und eine neue Haushaltspolitik durchgesetzt und damit die Grundlagen für das heutige Wirtschaftswachstum gesetzt. Präsident Lula stärkte die Wirtschaft weiter, reformierte den Rentensektor und initiierte gleichzeitig die Programme Bolsa Familia und Fome Zero zur Armutsbekämpfung. Durch das Programm Bolsa Familia erhalten Familien für jedes Kind, das nachweislich eine Schule besucht, eine staatliche Zuwendung. Fome Zero bekämpft den Hunger durch kurzfristige und langfristige Projekte. Während Umweltschutz auf der Agenda Lula da Silvas kaum eine Rolle spielt, hat seine Regierung es dennoch geschafft die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes zu reduzieren.
Da die brasilianische Verfassung dem Präsidenten nur zwei Amtszeiten erlaubt, wird bei der Wahl 2010 Lulas Vertraute und Kabinettschefin Dilma Roussef für die PT antreten. Außerdem wird seine ehemalige Umweltministerin Marina Silva für die Grünen (PV) antreten und der Gouverneur São Paulos, José Serra, für die PSDB.
Während der Kolonialzeit basierte die brasilianische Wirtschaft hauptsächlich auf dem Export von Brasilholz, Gold, Diamanten und Viehprodukten und Zucker, sowie ab dem 19. Jahrhundert zu 50% auf dem Kaffeeexport.
Heutzutage sind Ethanol und die fertigende Industrie Stützpfeiler der brasilianischen Wirtschaft, welche jedoch nur zu einem Teil von Exporten abhängig ist.
Der halbstaatliche brasilianische Energiekonzern Petrobras arbeitet gerade an der Erschließung riesiger neuer Ölvorkommen vor der Küste.
Brasilia
8.547.404 km²
Uruguay, Argentinien, Paraguay, Bolivien, Peru, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam, Französisch Guyana
7.267 km
Atlantik
Amzonasbecken im Norden, Hochplateau im Zentrum und im Süden
tropisch und subtropisch
191.601.000
22 Einwohner pro km²
1,3 %
2,21 Kinder pro Frau
Luiz Inácio (Lula) da Silva
Präsidialie Bundesrepublik
2006
Okt. 2010
Partido do Movimento Democrático Brasileiro – PMDB
Partido dos Trabalhadores – PT
Partido da Social Democracia Basileira – PSDB
Partido da Frente Liberal – PFL
Partido Progressista Brasileiro – PSB
Partido Socialista Brasileiro – PPB
Partido Demócratico Trabalhista – PDT
Partido Liberal – PL
Partido Trabalhista Brasileiro – PTB
Partido Popular Socialista – PPS
Partido Verde – PV
Partido Comunista do Brasil – PcdoB
Partido Republicano Brasile
Februar 1988
Eisenerz, Mangan, Bauxit, Nickel, Uran und Thorium, Edelsteine, u.a.
Kfz und –teile, Maschinen, Eisenerz, Erdöl, Eisen/Stahl, Fleisch, Zucker, Soja, Mais, Kakao, Kaffee, Ethanol
Flugzeugbau, chemische Industrie, Elektrogeräte
Real
34 %
72 Jahre
23
11 %
Abstammung von Ureinwohnern, europäischen Einwanderern und Afrikanern, mehr als 200 indigene Völker
Portugiesisch; rd. 180 indigene Sprachen (Tupi, Guarani, Gê, Arwak, Karib u.a.)
74% Katholiken, 15% Protestanten; Minderheiten von Buddhisten, Bahai, Muslimen und Juden; indigene Religionen und afrobrasilianische Religionen (Candomblé, Umbanda u.a.)