Ping, made in Rio

Wer hat eigentlich dem Klimaexperten Ping zur Geburt verholfen? Wer hat die Figur des Pinguins, der für das LAZ durch Lateinamerika und NRW reist, um Kindern den Klimawandel zu erklären,  erfunden?

Von Astrid Prange

Die Spur führt nach Brasilien, genauer gesagt nach Rio de Janeiro zu Elenice Nogueira. Die Künstlerin ist in einer musisch geprägten Familie aufgewachsen, die ihren bescheidenen Lebensverhältnissen mit künstlerischen Höhenflügen trotzte.

Bereits im Alter von zehn Jahren fing sie an, zu malen. Nach der Schule und ersten Berufserfahrungen in der Werbebranche, bewarb sich Elenice Nogueira an der Kunstschule „Parque Lage“ in Rio de Janeiro, wo sie bereits nach einem halben Jahr zur Meisterschülerin aufstieg.

Sie studierte Kunstgeschichte und plastische Kunst an der Universität von Rio de Janeiro (UERJ) und Kunsterziehung an der Hochschule „Instituto Bennett“. Mittlerweile arbeitet sie nicht nur als Künstlerin, sondern gibt Unterricht für Kinder und Erwachsene. Außerdem illustriert und konzipiert sie Bücher.

Die Bilder von Elenice Nogueira erkennt man wegen ihrer Farbenpracht auf den ersten Blick bereits von weitem. Mit ihren sicheren Pinselstrichen wischt sie die grauen Wolken weg, übt sich in Optimismus und Zuversicht. Da dribbeln Kicker durch Elendsviertel, machen übermütig Handstand, umarmen sich oder rennen um ihr Leben.

Genau in diesem Wechselbad der Gefühle befindet sich die brasilianische Künstlerin seit ihrer Jugend. Früher malte sie Straßenkinder, und fing Gewalt und Elend in der Metropole Rio de Janeiro in grellen Farben ein.

Mittlerweile halten ihre Acrylfarben auch Kinder beim Spielen fest, berüchtigte Elendsviertel von Rio verwandeln sich unter ihren Pinselstrichen in pittoreske, farbenfrohe Landschaften. Auch der von Abholzung und Waldbränden bedrohte Amazonas erstrahlt trotzdem in sattem Grün.

Elenice Nogueira weiß, wovon sie malt. Sie hat sich mit ihrer Kunst erfolgreich gegen Armut gewehrt.

Sie hat den Absprung von der Straße ins Atelier geschafft. Und sie beherrscht alle Regeln der tagtäglichen Überlebenskunst. Geld ausleihen, anschreiben lassen, Tauschgeschäfte tätigen, und klar, am Strand auf bessere Zeiten warten.

Ihre Lieblingswährung sind weder Euro noch brasilianische Reais, sondern ihre Bilder und auch ihre Bücher, die sie illustriert. Damit bezahlt sie Zahnarztbesuche und Reisen, Sprachkurse und Computerreparaturen. Und manchmal auch Farbmaterial und Leinwände.

Seit  über 20 Jahren sind Nogueiras Kunstwerke öffentlich zu sehen: Im Colégio Batista in Sao Paulo stellte sie 1998 zusammen mit dem Künstler Ademir Martins aus. Und im selben Jahr wurden  19 Gemälde über die sozialen Schattenseiten Brasiliens in die ständige Ausstellung der Weltbank „World Bank Art Program“ aufgenommen.

Im Oktober 2003 kam sie erstmals nach Deutschland und stellte in Kooperation mit dem LAZ im Rathaus von Königswinter aus. Titel der Ausstellung: “Am Puls von Rio – Impressionen in Acryl”. Das Publikum war so verzaubert von den bunten Impressionen, dass sie nach dem erfolgreichen Auftakt in regelmäßigen Abständen in die Region zurückkehrte und zur „Hauskünstlerin“ des LAZ avancierte.

Mit der Ausstellung „Ballzauber vom Zuckerhut“ reüssierte sie 2005 in der Stadtsparkasse im baden-württembergischen Lahr, und 2006, pünktlich zur WM in Deutschland, in Köln bei den Privatbankiers Merck Finck & Co, wo ein Bild aus der WM-Kollektion für das LAZ versteigert wurde.

2014 kam sie erneut nach Deutschland, diesmal um das zehnjährige Jubiläum der brasilianischen Band „Só Sucesso“ (www.sosucesso.de) zu illustrieren. Die im Jahr 2004 von dem Brasilianer Sergio Neves de Oliveira gegründete Band war in Bonn ein Treffpunkt für Liebhaber der brasilianischen Musik und ein enger Kooperationspartner des LAZ und der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft.  Mittlerweile firmiert die Band unter dem Namen „Samba Bom“ (www.samba.bom.de).

Mit ihrer ebenfalls 2014 entstandenen Idee, einen Pinguin durch Lateinamerika reisen und den Klimawandel erklären zu lassen, hat Elenice Nogueira dem LAZ eine Erfolgsgeschichte beschert. Und zugleich einen neuen künstlerischen Abschnitt begonnen: Seit 2019 arbeitet sie nicht nur als Illustratorin, sondern auch als Kinderbuchautorin, die ihre eigenen Geschichten mit eigenen Bildern schreibt.

Mehr Infos zum Werk der Künstlerin gibt es  auf dem Instagram-Account @elênogueiraart, und @poesiapracolorir. Kontakt mit der Künstlerin kann per mail astridprange@web.de aufgenommen werden.