Mehr lateinamerikanische Perspektive

Das erste Freundeskreistreffen des aktuellen Jahres fand in der letzten Januarwoche statt. Die coronabedingten Umstände haben bei der Planung wieder einmal für einigen Wirbel gesorgt, dennoch ist es uns mit einigen Anpassungen gelungen, unsere Prioritäten unter einen Hut zu bringen. Sicherheitshalber hatten wir im Vorfeld zwei strikt auch räumlich getrennte Gruppen gebildet mit jeweils eigener Veranstaltung.

Die erste war eine für Freundeskreistreffen typische Gesprächsrunde, bei der wir in gemütlicher Atmosphäre komplett in Präsenz zusammenkommen. Hier diesmal ohne festgelegtes Programm, die Themen ergaben und entwickelten sich aus der Situation heraus.

Für die zweite haben wir uns ausnahmsweise für ein hybrides Format entschieden. Bei dieser Veranstaltung hat Renato Espinoza – den wir von unseren Bildungsprojekten und dem Freundeskreis kennen – zusammen mit Esteban Sánchez das Projekt Cordillera vorgestellt. Bei dem Projekt im Aufbau geht es um eine insgesamt möglichst faire und unvoreingenommene Darstellung lateinamerikanischer Identitäten und Werte in Deutschland. Gleichzeitig fördert Cordillera so den kulturellen Austausch verschiedener lateinamerikanischer Lebensrealitäten.

Zu Beginn der Projektvorstellung haben wir gemeinsam über den Namen Cordillera (zu Deutsch Gebirgskette) gesprochen. Ziel des Projekts ist es, einen respektvollen Austausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Teilen Lateinamerikas und Europas zu ermöglichen. In diesem Sinne steht die Gebirgskette sinnbildlich für das, was die Lebensrealität der Menschen aus verschiedenen Regionen voneinander unterscheidet – wie beispielsweise Klima und Vegetationszonen – aber auch verbindet, wie die Andenkette, die Teil von sieben südamerikanischen Staaten ist.Im Laufe des gemeinsamen Gesprächs haben wir dann gemeinsam über die oft einseitige Darstellung Lateinamerikas in Deutschland gesprochen. Dabei wird die Vielfalt lateinamerikanischer Perspektiven oft übergangen und vielen Lateinamerikaner*innen die Deutungshoheit über die Geschehnisse in ihren Herkunftsländern abgesprochen. Um diesen einseitigen Reproduktionen etwas entgegenzusetzen und den vielfältigen Lebensrealitäten der Menschen in Lateinamerika gerecht zu werden, möchte Cordillera eine Online-Plattform ins Leben rufen. Dort können Lateinamerikaner*innen über ihr alltägliches Leben berichten und dabei verschiedene Formate wie Videos oder Blogs verwenden. So wird ein Bild vermittelt, das zuvor nicht schon anderweitig interpretiert wurde.

Insgesamt hat uns die Vorstellung des Projekts Cordillera während eines unserer Freundeskreistreffen sehr gefreut, denn auch wir möchten uns für einen Austausch auf Augenhöhe einsetzen. Während des Treffens ist uns außerdem noch einmal bewusst geworden, dass diese Art von Austausch nur möglich ist, wenn lateinamerikanische Stimmen in Deutschland an Sichtbarkeit und Einfluss gewinnen. Zudem konnten wir uns selbst nochmal ins Bewusstsein rufen, wofür wir als Verein stehen möchten und wie wir das Netzwerk unseres Vereins nutzen können, damit Projekte wie Cordillera an Reichweite gewinnen.

Wer mehr über das Projekt erfahren und sich einbringen möchte, kann dies gern bei unseren nächsten Freundeskreistreffen tun. Renato Espinoza (Renato@cordillera.eu) ist regelmäßig auch persönlich mit dabei.

www.lateinanmerikazentrum.de/freundeskreistreffen

Website von Cordillera: www.cordillera.eu